Die U15 – eine Momentaufnahme.

Nach nun etwas mehr als zwei Wochen, angereichert mit fünf Spielen und sechs gemeinsamen Trainingseinheiten erscheint es nun durchaus ganz sinnvoll, einen kleinen Einblick zu geben in die Arbeit mit den U15-Junioren, darin, was wichtig ist, und was es (zumindest mir) nicht ist.

Hauptsache gewonnen, egal wie. Unsinn!

 

„Hauptsache gewonnen, egal wie.“ Oder: „Hinterher fragt keiner mehr, wie man gewonnen hat“. Solche Sprüche hat jeder schon mal gehört, und viele denken so. Aber das ist falsch. Zumindest, wenn es um Nachwuchsspieler geht. Es ist eben nicht egal. Das WIE, ist extrem wichtig. Weil es bestimmt, wie es mit diesen Jungs weitergeht. Wenn das egal wäre, könnte ich manchmal vielleicht euphorischer sein, aber es ist mir nicht egal. Wir müssen übrigens auch aufpassen, dass wir ein gutes Spiel nicht deswegen als gut bezeichnen, weil es gewonnen wurde, und ein verlorenes Spiel als ein schlechtes abtun. So einfach ist es nicht. Man muss schon genauer hinsehen. Die Jungs sind sehr bemüht und engagiert, sie hatten in einigen Spielen schon recht gute Phasen, aber eine komplette gute Halbzeit war bislang noch nicht dabei, ein richtig gutes Spiel ebenfalls nicht.

 

 

Die Ziele für ein gutes Spiel.

 

Was aber heißt gut? Grundsätzlich sollte eine leistungsorientierte U15 in der Lage sein, die Mehrzahl seiner gleichaltrigen Gegner zu dominieren. Wir haben das in keinem einzigen Spiel geschafft. Im Moment sind wir keine besonders spielstarke U15, wenn wir den Ball haben und nur eine recht durchschnittliche, wenn wir den Ball nicht haben. Ein Ballverlust geht bei uns sehr oft mit einem Kontrollverlust einher, nur in den seltensten Fällen gelingt es uns, den Ball dort zurückzuerobern, wo wir ihn verloren haben. Wir haben keine festen Abläufe, treffen individuell viele falsche Entscheidungen und leiden auch an technischen Problemen. Dadurch sind unsere Spiele ein häufiges Hin- und Her beider Mannschaften, was für Zuschauer vermutlich spannend anzusehen sein mag, aber von Trainerseite nicht gewollt ist.

Wichtig für die Einordnung als ein gutes Spiel ist also vor allem die Art und Weise, wie wir auftreten. Souverän, ballsicher, dominant – das sind Ziele, wenn auch sehr ferne Ziele. Und dafür gibt es sehr viele Gründe.

 

 

Die Zutaten für ein gutes Spiel.

 

Ferne Ziele sind es eher deswegen, weil wir augenblicklich große Mühe haben, den Ball über mehrere Stationen in den eigenen Reihen zu halten, die Ursachen dafür sind recht unterschiedlich für die einzelnen Akteure. Vielfach leiden wir unter einer brutalen Einbeinigkeit, wenn nur das vermeintliche bessere, nicht aber das geeignetere Bein für Passspiele eingesetzt wird, weil das „zweitbeste“ Bein schwach ausgebildet ist. So lassen sich enge Drucksituationen eben nicht mit der besten Lösung auflösen, weil die Jungs wechselweise zu viele Kontakte brauchen um den Ball zu kontrollieren, oder der erste Kontakt nicht präzise genug ist (und vielfach ist er es auch mit dem eigentlich stärkeren Bein nicht). Es mangelt vielfach aber auch einfach am Verständnis für die zu bespielenden und zu besetzenden Räume, und so werden dann meist kurzerhand einfach die unmittelbar nächsten Mitspieler angespielt, unabhängig von der eigentlichen Spielsituation, in der es eben nicht immer sinnvoll ist, genau diesen Spieler anzuspielen. Aber das sind Automatismen, die die Spieler hier ausgebildet haben, diese zu erweitern, an manchen Stellen auch aufzubrechen, ist ein langwieriger Prozess, der von allen Beteiligten vor allem eines erfordern würde – Geduld!

 

Stichwort Grundtechniken. Natürlich kann man von Pech sprechen, wenn man in einem Spiel öfter das Aluminiumgestänge des Tores als das Tor selbst trifft, wenn man unzählige Male nur knapp scheitert, aber letztlich ist es eine Frage der ausgebildeten und vorhandenen Qualität der Grundtechniken unter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck. Dafür gibt es viele andere Beispiele in einem Spiel, seien es die Verarbeitung hoher Bälle, die Mitnahme scharfer flacher Anspiele unter Gegnerdruck, Flugbälle aus dem Lauf, gegnerüberwindende Dribblings aus einem hohen Tempo heraus oder der einfache Pass zum Mitspieler über verschiedene Distanzen, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

 

Der Weg zum Ziel.

 

Wir versuchen das alles nun mit gerade mal knapp halb so vielen Bällen wie Spielern, gänzlich ohne Mittelstürmer, aber dafür – hoffentlich – mit viel Lernbereitschaft und viel Wille zu individuellen Veränderungen anzugehen. Jeder einzelne Junge hat ein sehr individuelles Paket an Herausforderungen zu bewältigen, bei einigen ist dieses Paket etwas kleiner, bei manchen etwas größer.

 

Auf dem Weg werden die Jungs auch Fehler machen, Flugbälle werden nicht ankommen, Dribblings verloren gehen, direkte Torschüsse daneben gehen, Pässe vom Gegner abgefangen werden und der mitspielende Torwart die eine oder andere Situation auch mal falsch einschätzen. Wir müssen daher nur etwas aufpassen, dass wir nicht zu viel auf einmal wollen. Denn am Ende müssen wir in diesem Altersbereich leider durchaus auch anfangen, auf Ergebnisse zu achten und zu erzielen, dieser Fokus wird mit zunehmendem Alter eher noch deutlich größer, nur ist es eben nicht das einzige, was wichtig ist.

 

Darum sei daran erinnert: Wir werden Fehler machen. Denn: Immer das gleiche zu tun und darauf zu hoffen, somit besser zu werden, wird leider nicht funktionieren. Etwas nur deswegen nicht im Spiel anzuwenden, weil man nicht sicher weiß, ob es (schon) klappen wird, ist falsch. Die Jungs müssen sich viele Qualitäten, vor allem unter Zeitdruck, erst noch erarbeiten. Das müssen sie im Spiel tun. Dazu gehört aber auch, dass sie möglichst schnell ihre individuellen technischen und individualtaktischen Schwächen abarbeiten.

 

Dieser Weg, das sollte jedem klar sein, wird mitunter auch unangenehm steinig werden, Rückschläge und vielleicht auch die eine oder andere Bauchlandung müssen wir jederzeit einkalkulieren.

 

Wie viel möglich ist, liegt aber in erster Linie an jedem Jungen selbst. Denn ein Trainer wird keinen Spieler besser machen, auch wenn das oft propagiert wird. Was ein Trainer kann, ist anleiten, korrigieren und unterstützen. Was die Jungs daraus machen, hat jeder in seinen eigenen Händen.