Bleibt alles anders - Rückblick auf das erste Saison-Drittel

Besser spät als nie. Natürlich hat jeder seine Meinung zum ersten Saison-Drittel, hier das ganze aus Trainersicht. Für mich war es das erste Mal, dass ich eine Mannschaft in der laufenden Saison übernommen habe, eine nicht ganz einfache Konstellation.

 

Ein schwieriger Start.

 

Diese Konstellation, der Trainerwechsel in der laufenden Spielzeit, hat leider dazu geführt, dass wir im Oktober und November im Training inhaltlich nicht so trainiert haben, wie es richtig wäre. Normalerweise hat man mit einer neuen Mannschaft vor dem ersten Ligaspiel sechs bis acht Wochen Zeit, sich gemeinsame Grundlagen zu erarbeiten. Da es vereinsintern keine mannschaftsübergreifende Spielauffassung gibt, ist das leider sehr wichtig. Aufgrund der Umstände war das hier leider nicht möglich. Viermal hatten wir zudem die Situation, unter der Woche spielen zu müssen, auch hier muss man die Belastung in den verbleibenden zwei Trainingseinheiten anders steuern, als wenn drei „normale“ Trainingseinheiten zur Verfügung stehen würden. So lag der Fokus in diesen acht Wochen auf gruppentaktischen Abläufen, um die Spieler an teils neue Spielaufgaben und Herangehensweisen zu gewöhnen, dazu ging es sehr viel um das Thema Passspiel und die schnelle Entscheidungsfindung. Technische und athletische Aspekte (und hier insbesondere konditionelle Fähigkeiten Kraft & Schnelligkeit, sowie Koordination) sind in dieser Phase zu kurz gekommen.

 

Zudem ist in dieser Phase stark aufgefallen, dass etliche Jungs individualtaktisch noch einige Probleme mit sich herumtragen, die sie unbedingt abarbeiten müssen. Allerdings müssen wir aufpassen hier nicht zu verallgemeinern, es ist keineswegs so, dass alle die gleichen Schwächen abarbeiten müssen, jeder hat hier sein individuelles Paket. Mit einem Großgruppentraining kommen wir hier in meinen Augen nicht richtig weiter, was der Grund ist, warum wir derzeit zweimal wöchentlich aufgeteilt in Kleingruppen trainieren, damit die Jungs hier insgesamt individueller trainieren können und wir (hoffentlich) etwas mehr Fortschritte machen können als in einem Großgruppentraining.

 

 

Viel Gutes – und Verbesserungsbedarf.

 

Letztlich muss man den Jungs rückblickend ein riesiges Kompliment machen. Obwohl sie sicherlich mit einigen neuen Erwartungen und Vorgaben von Trainerseite konfrontiert wurden, und sie durchaus einigen Inhalten auch mit gewisser Skepsis und Zurückhaltung begegnet sind, haben sie vieles – nicht alles – sehr gut umgesetzt. 10 Siege aus 13 Spielen konnten sie insgesamt in dieser nicht ganz einfachen Konstellation für sich verbuchen, dazu kommt ein weiterer Sieg aus den ersten drei Spielen dazu.

 

Diese Statistik bringt uns allerdings herzlich wenig, um den Entwicklungsstand der Jungs einzustufen – auch wenn das viele immer wieder gerne tun. Wenn die Saison gut verläuft, wird allzu gerne von einer guten Entwicklung gesprochen, doch diesen Zusammenhang herzustellen ist zumindest fragwürdig. Siege kommen nicht immer durch gute Leistungen zustande, und die Ursache von Niederlagen ist nicht zwangsläufig eine schwache Leistung. So war das auch bei uns. Nur in zwei Spielen konnten die Jungs einen insgesamt überzeugenden Fußball spielen, in anderen Spielen ist dies nur phasenweise gelungen, in einigen Spielen gar nicht. Obwohl die Jungs also tabellarisch nicht so schlecht dastehen, haben sie noch viel Arbeit vor sich, um ein für dieses Alter optimales Niveau zu erreichen. Aber mittlerweile darf man das Gefühl haben, dass die meisten genau das wollen.

 

 

Wie die Jungs fußballerisch auftreten sollten

 

In die Spiele nehmen unsere Jungs das klare Lernziel mit, es zu kontrollieren bzw. zu dominieren. In keinem der ersten Spiele, egal welche Qualität der Gegner hatte, waren wir auch nur ansatzweise in der Lage das umzusetzen, es war ein ständiges Hin und Her beider Mannschaften. Ein Spiel zu dominieren ist keine ganz einfache Vorgabe, die Jungs haben damit noch Probleme, weil wir an vielen Stellen das nötige Handwerkszeug nicht ausreichend gut beherrschen.

 

 

Die Spieleröffnung.

 

Ziel ist eine flache Spielauslösung. Und zwar nicht weil wir uns davon einen Vorteil gegen den unmittelbaren Gegner erhoffen - der Gegner spielt überhaupt keine Rolle in diesen Überlegungen - sondern schlicht weil es für die Jungs eine Grundvoraussetzung ist um später vielleicht mal ein höheres Niveau zu erreichen. Vielleicht haben sich einige Zuschauer dabei ertappt, manchmal die Luft angehalten zu haben, wenn Torwart, Innen- oder Außenverteidiger spielerische Lösungen suchten, um sich aus einer Drucksituation zu befreien. Aber es geht nicht um uns als Zuschauer, sondern allein um die Tatsache, dass die Jungs das Selbstvertrauen aufbringen, diese herausfordernde Aufgabenstellung anzugehen und oft auch zu lösen, ohne immerzu auf die deutlich leichtere Variante der langen „Eröffnung“ zurückzugreifen, wie wir es beispielsweise noch gegen Planegg getan haben. Und selbst falls dabei vereinzelt Fehler unterlaufen sollten, wenn sie sich diesem Lernziel nicht jetzt stellen, wann soll denn dann angefangen werden, es ihnen beizubringen? Es ist auch jetzt schon reichlich spät, aber irgendwann ist dieser Zug abgefahren. Man wird dann eben in späteren Jahren auf andere Jungs zurückgreifen, die dies beherrschen, weil es ihnen vermittelt wurde. Eure Jungs werden es lernen, sie sind gerade auf dem Weg dabei. Und trotz dieser Erschwernis haben die Jungs in den letzten sechs Spielen genau drei Gegentore kassiert, und davon nur eines aus dem Spiel heraus.

 

 

Warum der Ist-Zustand noch nicht dem Soll-Zustand entspricht.

 

Immer öfter auf spielerischem Wege gelangen die Jungs also ins mittlere Drittel auf die Sechserposition oder eine der beiden Außenpositionen - und dann fingen unsere Probleme an. Auf den nun folgenden Offensivpositionen gestaltet es sich bislang deutlich schwieriger die Jungs in ihrem Spielverhalten zu beeinflussen und Änderungen herbeizuführen. Das mittlere Drittel des Spielfelds bereit uns derzeit große Mühe, die Jungs haben wenig Geduld, wollen sofort in die Spitze spielen, wieder andere wollen schon im mittleren Drittel ihre Gegenspieler ausdribbeln und wieder andere brauchen extrem viele Ballkontakte, bevor sie eine Entscheidung gefasst haben, wie es weitergehen könnte - falls sie bis dahin den Ball überhaupt noch haben. Wenn wir aber zu schnell im mittleren Drittel den Ball verlieren, sind die Abstände der einzelnen Jungs zueinander noch zu groß, um eine Rückeroberung möglich zu machen, Gegenstöße sind dann meist die Folge. Aufgrund der vielen, oft zudem unerzwungenen Ballverluste, sind wir von einer dominanten Spielweise noch sehr weit entfernt.

 

Mehr denken - und schneller!

 

Interessant ist doch nicht so sehr, ob ein Spieler den Ball zum Mitspieler passen kann, das setzen wir in diesem Alter einfach voraus, auch wenn uns das in der notwendigen Dynamik und Präzision noch Mühe bereitet. Aber es ist ein großer Unterschied, ob ich den Ball los werde oder einen Pass mit einem Gedanken spiele. Den Gedanken nämlich, nicht an meinen Pass, sondern an den nächsten Pass, also daran, was mein Mitspieler mit meinem Pass machen kann. Wenn ich mir diese Gedanken tatsächlich mache, machen viele Pässe, die wir derzeit spielen, nämlich keinen Sinn, sondern bringen den eigenen Mitspieler in Situationen, die entweder schwer lösbar sind oder die uns nicht weiter helfen. Wenn dann noch verlangt wird, den Pass spätestens mit dem zweiten Kontakt zu spielen, bleibt wenig Zeit für diese Gedanken. Das macht die Sache zusätzlich herausfordernd und ist derzeit noch sehr schwer für unsere Spieler. Doch ein schneller Kopf ist die Voraussetzung um gedankliche Ruhe in unser hektisches und dadurch sehr fehlerbehaftetes Spiel zu bringen.

 

 

Spaß an der Anstrengung

 

Natürlich erfordert auch dieser etwas "perspektivischere" Weg, nämlich Dinge im Spiel zu trainieren, die sie später brauchen werden, von den einzelnen Spielern eine hundertprozentige Leistungsbereitschaft und den Willen zu Höchstleistungen. Sonst wird es kompliziert eine Rolle innerhalb einer Mannschaft zu spielen - innerhalb jeder Mannschaft. Dieser Weg wird nicht in jedem Augenblick Spaß machen und es wird für jeden Jungen Höhen und Tiefen geben. Fußballerisches Talent trägt die guten Jungs ohne allzu große Anstrengungen bis zu den D-Junioren, manche noch bis zu den C-Junioren, ab einem gewissen Alter ist Entwicklung dann aber nur noch durch Anstrengung und Fleiß erreichbar. Es wird aber leider keine einfachen Verbesserungen geben. Die gibt es ab einem gewissen Alter nicht mehr. Dann ist alles mit Mühe, Fleiß und Anstrengung verbunden. Ab dem Moment, wenn die einzelnen Jungs bemerken, dass sich Anstrengung und Fleiß mittelfristig immer positiv für sie auswirken werden, wird ihnen dieser Weg in den meisten Fällen aber sehr viel Spaß machen. Denn sie werden besser. Und etwas besser zu können, als seine Gegenspieler, ist letztlich die Grundlage für sportliche Erfolge. Wie viel in dieser Saison noch möglich ist, haben die Jungs daher zu einem sehr, sehr großen Teil in ihren eigenen Händen. Jeder für sich. Einfach dadurch, wie fleißig sie sind - im Training, aber auch darüber hinaus.

 

 

Ergebnisse können wir zwar nicht beeinflussen. Unsere Leistung schon!

 

„It’s what you do in the dark, that puts you in the light.”