Durch das Spielen zum Spiel finden – Ausblick auf das zweite und dritte Saison-Drittel

Nach dem Rückblick nun der Ausblick. Leistung ist planbar. Dafür aber braucht es einen Plan, und der ist in diesem Alter nicht vom nächsten Spiel bzw. Gegner abhängig, sondern allein von der Entwicklungsphase, in der sich die Spieler aktuell befinden – und vom (Entwicklungs-)Ziel, dass man eben erreichen will. Das ist die Basis, darauf baut alles auf. Alles.

 

Entschuldigung schon einmal, für einen viel zu langen Text – und vielen Dank allen, die ihn trotzdem lesen…

 

Nur mit Geduld kommt man weit - ein Erklärungsversuch.
(Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit reif ist)

 

Der Grundgedanke ist recht einfach. Wir müssen nur einmal die Entwicklungsschritte eines jungen Sportlers mit denen eines Schülers vergleichen. Es ist nicht möglich, innerhalb von sechs Wochen in die nächste Klasse versetzt zu werden. Und das ist auch nicht das Ziel. Grundschüler können einen Aufsatz in einer fremden Sprache, zum Beispiel Englisch, noch nicht verfassen, dazu müssen sie unter anderem erst ausreichend Vokabeln und Grammatik beherrschen lernen. Das bringt man ihnen schrittweise bei. Dazu vermittelt man immer wieder grundlegendes Allgemeinwissen und dann wird beständig darauf aufgebaut. Und es ist durchaus nicht unwichtig, in welcher Reihenfolge man ihnen gewisse Dinge beibringt, sicher wird man erst mit Vokabeln beginnen, bevor man sie mit Grammatik konfrontiert, und man wird sie ausprobieren lassen, wenn man will, dass sie es irgendwann können, auch wenn es anfangs noch nicht so gut klappt, schweigend hat noch niemand eine Sprache gelernt. Und desto mehr Vokabeln sie lernen, desto besser werden sie später die Sprache beherrschen. Wenn man dann einmal mehr daraus machen möchte (oder muss), zum Beispiel im Studium, wird man nur dazu in der Lage sein, wenn die bis dahin vermittelten und erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten dazu ausreichen – sonst wird es schwierig. Bis dahin sind viele Jahre vergangen.

 

Im Fußball läuft es ganz ähnlich. Wenn die Jungs irgendwann mal ein gutes Niveau erreichen wollen, müssen sie sich eine sehr gute Basis erarbeiten - und das dauert. Die Basis - ihr Vokabular gewissermaßen - sind vereinfacht gesagt alle Fertigkeiten am Ball (Dribbeln, Passen, Schießen, Flanken, Köpfen, Tackling, usw.) und ihre athletischen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Laufstil, Handlungsschnelligkeit, Rumpfkraft, Schnellkraft, usw.). Desto mehr und desto besser sie diese Dinge beherrschen, desto besser ist die Voraussetzung für alles folgende. Denn erst durch ihre taktischen Fähigkeiten - gewissermaßen die Grammatik - lernen sie zu verstehen, alle diese Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal und damit vor allem effektiv einzusetzen. Alles baut somit aufeinander auf, Gruppentaktik kann man nur jemandem beibringen, der weiß, wie er sich individualtaktisch richtig verhalten muss, und das wiederum kann er nur, wenn er möglichst alle technischen Fertigkeiten möglichst gut beherrscht. Deshalb spielt es durchaus eine wichtige Rolle, wann sie etwas lernen, weil die verschiedenen Fertigkeiten aufeinander aufbauen und sich zudem in unterschiedlichen Altersbereichen unterschiedlich gut beibringen lassen. Gute Spielergebnisse sind dann nicht das Ziel der Arbeit mit jungen Spielern – sondern die Konsequenz guter Ausbildung.

 

Für all das Beschriebene braucht man Geduld, wahnsinnig viel Vertrauen und letztlich auch die Bereitschaft dem vorgeschlagenen Weg zu vertrauen. Es ist schade, dass dies nicht jeder hatte.

 

 

Welche Lernziele ein Junge bis zur C-Jugend schon gemeistert haben sollte.

 

Den Ball mit allen Teilen von beiden Füßen beherrschen, so könnte man es sehr vereinfacht ausdrücken, was die Jungs aus der D-Jugend in die C-Jugend mitbringen sollten. Innenseitstöße über kurze und mittlere Entfernungen, präzise Spannstöße aus der Bewegung, Flugbälle aus der Bewegung, An- und Mitnahme flacher und hoher Zuspiele in die Bewegung, vielfältige Ausspielbewegungen und Richtungswechsel mit Ball, dazu die Grundlagen des offensiven und defensiven Kopfstoßes. Individualtaktisch sollten sie offensive und defensive Situationen meistern können, also wissen, wie man am Gegner vorbeikommt, Dribbling und Passspiel sind die Varianten, beides sollten sie beherrschen, und wissen, wann was Sinn macht. Defensiv sollten sie in der Lage sein, Bälle zu erobern, nicht wegzuschlagen, sie sollten verinnerlicht haben, wann man den Gegner wohin lenkt und wie man dem Gegner auch kollektiv den Ball abnimmt. All diese Dinge sollten natürlich mit beiden Füßen beherrscht werden. Dazu sollten sie eine Grundidee von verschiedenen Spielpositionen und ihren Aufgaben haben, und in der Lage sein, in kleinen Gruppen (2-3 Spieler) einfache kollektive Aufgaben mit und ohne Ball zu lösen. Soweit die Idealvorstellung, von dem, was man einem Jungen bis zu diesem Alter beibringen kann. Unsere Jungs sind nicht in allen diesen Bereichen optimal aufgestellt, bringen in einigen Bereichen sowohl im technischen und individualtaktischen Bereich unterschiedlich große Defizite mit. Wir müssen und werden diese Dinge soweit es geht abarbeiten.



Welche Lernzielhürden der Junge bis zum Ende der C-Jugend meistern sollte.

 

Am Ende der C-Jugend haben die Jungs gelernt, alle Grundtechniken unter hohem Zeit-, Raum- und Gegnerdruck sicher und ruhig, aber mit sehr hoher Dynamik anzuwenden. Ruhe und hohes Tempo schließen sich keineswegs aus. Techniken die noch nicht beherrscht werden, müssen nachgeholt werden. Den Kopfstoß beherrschen sie nun in höherer Güte. Dazu haben die Jungs alle Grundlagen der Gruppentaktik kennengelernt, sowohl gegen den Ball, als auch mit Ball. Sie sind in der Lage, gegen jeden Gegner auch unter hohem Druck ein Spiel von hinten heraus aufzubauen, können mit einem schnellen Kurzpassspiel ein Spiel kontrollieren und sich im Kollektiv Torchancen über das Zentrum und den Flügel erspielen. Sie sind in der Lage situativ ein effektives Angriffs- oder Mittelfeldpressing auszuführen. Sie haben eine hohe Eigenverantwortung entwickelt, besitzen trotz pubertärer Herausforderungen ein gesundes Selbstbewusstsein, wissen, wie sie ihren Körper gezielt trainieren können, was zu einer sportlergerechten Ernährung beiträgt, wie viel Schlaf sie benötigen und wie sie ihren Körper besonders in Phasen hoher Belastung pflegen müssen. Das sind Lernziele für C-Junioren mit denen wir sie dann letztlich in die B-Jugend entlassen. Momentan bewegen wir uns ein wenig in beiden Welten, arbeiten Dinge ab, die schon da sein sollten und erarbeiten uns Inhalte, die eben jetzt hier her gehören.

 


Wie unsere Jungs Fußballspielen sollten

 

Zur Erinnerung, wir wollen einen Torwart, der mehr wie ein Fußballer agiert und zwangsweise mehr Aktionen mit den Füßen als mit den Händen hat, der mehr Zeit außerhalb seines Strafraums verbringt, als darin und sich dabei trotzdem wohlfühlt. Wir wollen Innenverteidiger, die durch kluges und vorausschauendes Verteidigen auffallen und auch unter Gegnerdruck noch ruhig von hinten heraus aufbauen ohne den Ball nach vorne schlagen zu müssen. Wir wollen Außenverteidiger, die defensiv extrem schwer zu überwinden sind und offensiv extrem viel Einfluss auf das Spiel nehmen wollen und vor allem können. Wir wollen Mittelfeldspieler, die permanent den Ball haben wollen, die brutal stark am Ball sind, ständig mit dem Ball agieren wollen und ein Gespür für die richtige Balance aus Offensive und Defensive haben. Und Stürmer, die sich gegen den Ball permanent beteiligen und mit dem Ball ihre ganze Kreativität und Torgefährlichkeit in möglichst hoher Dynamik ausleben. Das ist die schwierigste und anspruchsvollste Art Fußball zu spielen, weil die Jungs dabei ständig selbst die Initiative ergreifen müssen, sie müssen ständig selbst agieren, und eben nicht nur reagieren. Aber wer das beherrscht, möchte nichts anderes mehr.



Wo wir sportlich hinwollen


Wir wollen am Ende die spielstärkste Mannschaft dieser Liga stellen. Das wird uns nicht zwangsläufig zur erfolgreichsten Mannschaft machen, aber es wird die Jungs befähigen, Fußball auf einem sehr guten Niveau zu spielen. Erfolg können wir in dieser Altersstufe nicht allein an gesammelten Punkten festmachen, nicht an Tabellenplätzen oder Pokalen, und das werden wir auch nicht. Sondern vor allem an der Art, wie die Jungs Fußballspielen.


Was die Jungs in der Halle erwartet


Auch in der Halle werden die Jungs spezielle Aufgaben bekommen, die sie lösen müssen. Eher offensive Jungs werden öfter im hinteren Bereich agieren lernen müssen und umgekehrt. Die Jungs bekommen in bestimmten Spielfeldbereichen Kontaktbegrenzungen, um sie speziell im Spiel ohne Ball zu besseren und intelligenteren Freilaufbewegungen zu zwingen und ihre Gedankenschnelligkeit herauszufordern. Im Spiel gegen den Ball werden wir gezielt versuchen, erste Grundlagen eines guten (und damit durchdachten) Pressings anzuwenden und im Spiel mit Ball wird ein großer Fokus auf einer sicheren Ballzirkulation liegen. Ob es mit dieser Erschwernis für Turniersiege reicht, spielt in diesen Überlegungen keine Rolle. Am Ende sollen die Jungs stärker aus der Hallensaison gehen, als sie rein gegangen sind. Und das werden sie.

 

Nun wünsche ich allen einen guten Start ins Jahr 2017, viel Erfolg, Gesundheit und Glück - und natürlich Spaß, am besser werden...

 

 

 

 

„Es geht nicht darum was du erreichen willst,
sondern darum, wie sehr du es willst.”