Rückblick auf das 2. Saison-Drittel – Teil 1

Das zweite Saison-Drittel - Hallensaison & Trainingsspiele - liegt hinter uns. In diesem Drittel geht es nie um Punkte, sondern um Langfristigeres.

Die Hallensaison.

Ein paar Hallenturniere durften wir diesen Winter also wieder mit mitansehen. Durften einmal mehr mit Grauen verfolgen, wie ein Ball, der für das Spiel im Freien gemacht wurde, heiter durch die Halle gebolzt wurde, wie einige Spieler mit Härte und Körpereinsatz technische Unzulänglichkeiten wettzumachen versuchten. Um zu helfen fußballerische Schwächen noch weiter zu kaschieren, wurde vielerorts eine Bande rund um das Feld aufgebaut, so spielte es dann keine Rolle mehr, dass Pässe in die Tiefe eigentlich zu lang waren, dass Torschüsse eigentlich nicht auf das Tor gingen, der Ball ging dennoch nicht ins Aus, er blieb trotzdem im Spiel, selbst der planlos nach vorne gedroschene Ball, er blieb im Spiel. Als angenehmere Alternative gibt es Futsal, mit dem Nachteil, dass hier leider der Torwart aus dem Spiel einfach weg reglementiert wird, er darf letztlich nicht mitspielen und statt auf Fußball- spielt man leider auf Handballtore. Tore zu erzielen, wenn zwei gleich gute Teams gegenüberstehen, wird dann zu einer komplizierten Angelegenheit, für körperlich schwächere Spieler ohne vorgeschaltete Querpässe quasi unmöglich. Wir haben trotzdem versucht, das beste daraus zu machen. Wie jeden Winter.

 

Spieler hingegen, die durch eine Täuschbewegung oder wenigstens einen Tempowechsel mal einen Gegenspieler überwinden? Selten. (bei anderen Teams ist z.B. der Freisinger 9er Joshua aufgefallen, es gibt sie also durchaus, diese Sorte Spieler) Zielgerichtete Tricks am Ball. Sieht man noch viel seltener. Dabei würde man gerne viel mehr Spieler sehen, die sich verdammt noch mal etwas am Ball trauen, die nicht nur ständig passen und wieder und wieder einstudierte offensive Spielzüge abspulen, oder noch schlimmer, sich hinten reinstellen und selbst in der Halle passiven Ergebnis-Fußball mit der üblichen "Fehler-Vermeidungsstrategie" spielen. Der Fußball an der Spitze ist technisch immens anspruchsvoll geworden, im Jugendbereich wird diese Tatsache zumindest im unteren und mittleren Amateurbereich (Spielgruppe bis hin zu vielen Bayernligisten) fröhlich ignoriert.

 

Problem ist die primäre Ausrichtung und Orientierung an Spielergebnissen, auch vom Umfeld. Nehmen wir einmal die Hallenmeisterschaft. Wir haben bei diesem Turnier bewusst ergebnisorientiert gespielt. Das bedeutet, wir haben die Jungs mit sehr kalkuliertem, man könnte auch sagen, mit sehr wenig Risiko spielen lassen. Und wir haben sie dazu gebracht, dass abzurufen, was sie gut können. Kein Junge hat bei den Hallenmeisterschaftsturnieren etwas abgerufen was er noch nicht so gut konnte. Keiner! Zusätzlich hatten die Jungs eine Reihe an taktischen Vorgaben, mit denen wir natürlich bewusst versucht haben, die aus unserer Sicht größten Probleme der Gegner auszunutzen, auch wenn deren Einhaltung vor allem unsere Offensivspieler etwas gehemmt hat und die Jungs eben nicht frei spielen durften, sondern sehr vorbestimmt in ihre Spiele gehen mussten. So vorzugehen, mündet natürlich nicht automatisch im Erfolg, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit für Erfolge doch erheblich, weil wir bewusst versuchen, eigene Fehler zu vermeiden.

 

 

"Du machst keine Fehler? Du lernst nichts Neues!"

Und hier wird es problematisch. Würden wir diesen Ansatz fortwährend anwenden, könnten die Jungs nach der Saison genau das, was sie eben vorher auch schon konnten, wenn auch im besten Fall auf etwas stabilerem Niveau. Das ist nicht unsere Zielsetzung. Deswegen hatten wir Hallenturniere, bei denen wir anders vorgegangen sind, bei denen wir etwas von den Jungs verlangt haben, dass sie eben nicht gut konnten, was dann - logisch - in weniger guten Ergebnissen mündete. Scheitern gehört zur Entwicklung dazu. Natürlich können wir sie auch vor Fehlern bewahren, in dem wir Ausgangssituationen schaffen, in denen sie weniger Fehler machen. Aber das werden wir nicht tun. Die meisten Teams, die wir in der Halle mehrfach gesehen haben, entschieden sich in jedem Hallenturnier für den gleichen Ansatz, in den meisten Fällen einen eher ergebnisorientierten Ansatz, wir tun dies ganz bewusst nicht. Es ist mir völlig egal, ob dadurch andere Teams vor uns landen, es spielt einfach keine Rolle. Wir versuchen ein bisschen mehr darauf zu achten, was die Jungs können müssen, um später erfolgreich zu sein. Denn dafür müssen sie durchaus noch einige Dinge lernen, die sie eben noch nicht gut können. Darum geht es, auch wenn dieser Ansatz bisweilen natürlich mühsamer beim Zusehen ist und man sicher auch auf einiges Unverständnis vor allem auf gegnerischer Seite stoßen wird, das ist schon in Ordnung so. Andere gehen eben andere Wege.

 

Die Jungs dürfen selbstverständlich Fehler machen - wenn sie die unbedingte Bereitschaft zeigen, sich weiter entwickeln zu wollen. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob Fehler passieren, weil man permanent die immer gleichen (falschen) Entscheidungen trifft oder man permanent die immer gleichen technischen Fehler macht, weil man keine, oder zumindest nur sehr geringe Bereitschaft zu Veränderungen und Verbesserungen zeigt und auslebt, oder ob Fehler passieren, weil man sich weiterbringen möchte, und Dinge versucht anzuwenden, die (noch!) nicht gut beherrscht werden. Passieren aus letzterem Grunde Fehler, werden die Jungs alle Unterstützung bekommen, die nötig ist, diesen Entwicklungsschritt zu schaffen. Aber nur dann. Denn am Ende sind wir eben in einem leistungsorientierten Verein. Ohne Bereitschaft zu Veränderungen macht das alles keinen Sinn. Für jeden Spieler sind drei Kriterien von besonderer Bedeutung: der Wille, gewinnen zu wollen, die Bereitschaft, an sich zu arbeiten und die nötige Unterstützung der Eltern. Wenn alle drei Dinge zusammen kommen, was durchaus etwas besonderes ist, kann richtig Gutes entstehen.