Rückblick auf das 2. Saison-Drittel – Teil 2

"Oben mitspielen", "noch etwas gutmachen", "dem Tabellenführer auf den Fersen", "mit Kampf zum Sieg" und so weiter. Wir spielen mit unseren Jungs keine Mini-Bundesliga und ich werde auch nicht versuchen sie mit markigen Worthülsen herbeizuschreiben. Wir bilden aus. Wir achten darauf, wie die Jungs Fußball spielen. Wir versuchen das, was wir trainieren, in unsere Spiele zu bekommen - und uns damit durchzusetzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Schneller bitte!

Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen niedrigeren und höheren Spielklassen ist, neben dem technischen und athletischen Niveau, das Spieltempo. Mit einem schlichten „Jetzt spiel doch endlich schneller ab“ ist es nicht getan. Es ist nicht erwünscht, dass die Spieler den Ball einfach schnell loswerden wollen, Schnelligkeit ist kein reiner Selbstzweck. Darum geht es uns unter anderem. Mehr Tempo in unser Spiel zu bringen. Ein Weg ist die Anzahl der Ballkontakte zu reduzieren, wenn auch nicht der einzige. Während wir in der Hinrunde auf jeder Position selten mit weniger als drei Kontakten agiert haben, sind es aktuell nur noch zwei Kontakte in den meisten Spielsituationen. Für die Spieler heißt das, weniger Zeit zum Überlegen, sie sind etwas mehr gezwungen voraus zu denken, und es erhöht den Anspruch an ihr Passspiel, weil sie weniger Zeit haben, den Ball sauber zu kontrollieren und weiterzuleiten. Aber sie haben angefangen das zu lösen, wenn auch noch nicht jeder und auch nicht durchgehend. Dabei passieren gerade im aufbauenden Passspiel derzeit noch zahlreiche Fehler, aber das ist ein Preis, den wir eben zahlen müssen. Eine andere Möglichkeit, das Tempo zu erhöhen, aber hier tun wir uns noch schwer, ist die Passschärfe zu erhöhen, die ist bei uns noch sehr gering, weil die Jungs es so gewöhnt sind. Auch über die Passdistanzen lässt sich das Tempo erhöhen, auch das versuchen sich einige Jungs derzeit zu erarbeiten, aber hier fehlt uns noch massiv die Präzision. Wir wollen und werden aber keine reinen „Passmaschinen“ aus den Jungs machen, das Dribbling, also individuelle Qualitäten am Ball, sollen eine weitere wichtige Waffe sein. Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

"Wenn nur die Größe zählen würde, wäre der Elefant und nicht der Löwe König der Tiere."

Wir sind derzeit in einem Altersbereich, in dem die Unterschiede zwischen den einzelnen Spielern und ihrer Entwicklung so groß sind, wie niemals wieder. In der Regel trifft das die Zeit der U15 und U16. Wo andere Teams schon mit halben Männern spielen, die sich teilweise schon rasieren, setzen wir eben noch deutlich weniger weit entwickelte Jungs ein. Das permanent auszugleichen, hat seine Grenzen. Nicht aus reinem Zufall setzen nahezu alle Leistungszentren bis hin zur U17 auf körperliche Frühentwickler, die meist zudem in den ersten drei Monaten eines Jahres geboren wurden. Auch in anderen Teams auf niedrigerem Niveau ist dieser Trend durchaus vermutbar. Wenn die Momentan-Leistung wichtig ist, macht das einen Unterschied. Wir sollten aber ein wenig mehr an die Zukunft denken und nicht primär auf die Gegenwart schauen. Wenn ein Spieler körperlich und athletisch schon sehr entwickelt ist und hierdurch viele Zweikämpfe gewinnen kann, heißt das noch lange nicht, dass er auch viel Talent besitzt und in der Zukunft weiterhin eine gute Rolle spielen wird. Er hilft vielleicht jetzt der Mannschaft Spiele zu gewinnen, nur das ist nicht das wichtigste. Der Fußball ist in der Spitze nicht nur athletischer geworden, sondern vor allem auch technisch anspruchsvoller. Wir müssen auf die Perspektivleistung und damit primär auf die Zukunft schauen. Und wir müssen dabei auch genau auf die Spieler schauen, die physisch noch nicht so weit sind und müssen geduldig bleiben. Wir haben sehr viele davon. Wo andere sich heute Vorteile mit ihrem Körper erarbeiten können, müssen viele unserer Jungs andere, meist spielerische Lösungen finden. Dass sie das können, haben sie schon bewiesen, und sie werden es noch sehr oft beweisen.

 

 

Manche werden es mögen, manche nicht - egal was passiert.

Ein guter Torwart, unermüdlicher und disziplinierter Einsatz rund um den eigenen Strafraum in Kombination mit rasanten Konterattacken. Vor allem aber: keine Fehler im Spielaufbau! Am besten überhaupt kein Spielaufbau, sondern risikolose lange Bälle nach vorne. Denn der frühe Ballverlust bei ungeordneter eigener Abwehr ist das größte Risiko des modernen Spiels. Nur wenige Mannschaften versuchen sich daran, das Spiel zu bestimmen, es zu gestalten, ihm eine Idee zu geben. Warum? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Antworten gibt es viele.

 

Wir bilden unsere Spieler dazu aus, ihre Gegner zu beherrschen und spielerisch möglichst überlegen zu sein. Dass manche Teams mit einer auf Passivität und/oder Konter ausgelegten Strategie derzeit manchmal mehr Spielerfolge haben, mag so sein, aber das spielt keine Rolle. Andere haben andere Ziele – aber andere gibt es eben schon genug. Wir wollen unsere Spieler langfristig dazu befähigen, Fußball zu SPIELEN, also Spiele mit und dank ihrer fußballerischen Fähigkeiten zu dominieren und sich gegen jeden Gegner als spielstärkere Mannschaft zu präsentieren. Dieses Ziel zu erreichen ist natürlich nicht so ganz einfach, aber die Jungs sind nicht am Ende ihrer Entwicklung, sie stecken mittendrin!

 

Die Art, wie wir in der Vorrunde Fußball gespielt haben, war bis auf sehr wenige Ausnahmen wenig ansprechend. Wir waren kaum in der Lage Spiele zu kontrollieren, weil wir kaum in der Lage waren, den Ball über längere Zeit in den eigenen Reihen zu halten, Angriffe bewusst aufzubauen, mit einer Idee dahinter. Ständig haben wir den Ball verloren, meist nach wenigen Sekunden. Selbst ein junger Jahrgang von Haching hat uns über weite Strecken hergespielt, 1860 hat das im Februar wiederholt. Das Niveau, das wir vor allem technisch individuell und gruppentaktisch auf den Platz gebracht haben, ist für spätere Aufgaben problematisch. Es reicht ja schon heute für vieles nicht. Das zu verändern, ist das ferne Ziel.

 

Ob das, zumindest ansatzweise gelingt bzw. gelungen ist, muss am Ende der Saison jeder für sich beurteilen und seine Schlüsse daraus für sich selbst ziehen. Wir alle werden das tun. Aber bis dahin arbeiten wir daran, die richtige Mischung aus Antreiben, in den Allerwertesten treten, aufmuntern, gut zureden und positivem Überzeugen zu finden, um möglichst viele unserer Spieler dazu zu bewegen, sich selbst voranzubringen. Denn, auch das sei hier nochmal klar gestellt, ein Trainer wird keinen Spieler verbessern, das ist Unsinn - ein Trainer kann nur unterstützen, verbessern muss der Spieler sich selbst.

 

Man muss das, was ich mache und wie ich es mache sicher alles nicht gut finden. Doch man kann mit technisch gutem Fußball auch gute Ergebnisse erzielen. An diesem Ziel sind wir noch nicht. Aber ich glaube daran, dass viele dieser Jungs das lösen werden. Das wird nicht morgen der Fall sein, auch nicht nächste Woche und auch nicht nächsten Monat, aber wir werden jedes der Spiele in den verbleibenden drei Monaten nutzen, diesem Ziel ein Stück näher zu kommen. In einigen Spielen wird das gelingen, in einigen überhaupt nicht. Oder anders ausgedrückt: einige Spiele werden wir mit diesem technisch, spielerischen Ansatz gewinnen – und einige genau deswegen verlieren.