Bleibt alles anders.

Die ersten Spiele sind absolviert, und auch wenn der Kader sich nur punktuell verändert hat, andere Dinge haben es mitunter deutlich. 

Fertigkeiten effektiv einsetzen

 

Der Fokus auf Spielergebnisse nimmt zu. Es geht um Effektivität. Die vorhandenen Fertigkeiten sind recht nutzlos, wenn sie zum einen dem jeweiligen Jungen nicht helfen, sie im Spiel so einzusetzen, dass sie ihm einen guten Platz in der Mannschaft verschaffen und zum anderen, wenn sie keinen Beitrag dazu leisten, der Mannschaft zu helfen, Spiele zu gewinnen. Das kann uns gefallen oder nicht, Fußball ist ein Ergebnissport. Bis einschließlich zur U15 halten wir diese Tatsache von den Jungs fern, weil eine vorwiegend an Spielergebnissen orientierte Ausbildung dazu führt, dass überwiegend die Fähigkeiten trainiert und angewendet werden, die bereits vorhanden sind. Ab der B-Jugend machen wir hier einen klaren Bruch, formulieren hier sehr klar den Sieg zu einem - nicht dem einzigen - inhaltlichen Ziel. Allerdings werden wir weiterhin nicht akzeptieren, wenn ein Junge nur abruft, was er schon kann oder glaubt zu können.

Lernen mit mehr Wettbewerbsdruck umzugehen

 

Der Wettbewerbsdruck, auch innerhalb der Mannschaft steigt, die Jungs werden lernen müssen, damit umzugehen. Sie werden realisieren lernen müssen, dass der notwendige Einsatz und Fleiß, die aufgewendet werden müssen, um sich weiter zu entwickeln, zunehmen werden. Wo früher mit wenig Aufwand schon eine Verbesserung zu erreichen war, wird nun jeder Einzelne mehr investieren müssen. Wer dies nicht tut - oder nicht tun möchte - kann sich sicher sein, dass da mindestens noch ein anderer sein wird, der es tun wird. Alle der Jungs möchten in absehbarer Zukunft auf einem guten Niveau Fußball spielen, und das ist durchaus möglich.

 

Doch die Realität sieht einfach so aus, dass eben nur rund 4 % aller Fußballer überhaupt in einer Spielklasse bis einschließlich zur Landesliga ankommen. 96 % aller Fußballer spielen im Erwachsenenalter in einer der niedrigeren Spielklassen unterhalb der Landesliga. Wir wollen den Jungs helfen, Landes- oder Bayernliga-Niveau zu erreichen. Einige werden das schaffen, ein, zwei, vielleicht drei werden erfahrungsgemäß die Möglichkeit haben, etwas darüber anzukommen, einige darunter. Wer das sein wird, darüber eine Prognose anzustellen, ist schlicht nicht möglich, in der näheren Zukunft wird es viele Veränderungen im Leben der Jungs geben - manche beenden ihre Schullaufbahn, müssen sich mit ihrer beruflichen Entwicklung auseinandersetzen, die eigene Freundin wird wichtiger, das Privatleben mit Freunden wird mehr Zeit und Raum einnehmen, Interessen verändern sich. All das lässt sich mit sportlichen Zielen natürlich durchaus vereinen - wenn man es will und bereit ist zu akzeptieren, dass man an manchen Stellen Opfer für den Sport bringen wird müssen.

Ziele setzen und erreichen

 

Sich Ziele zu setzen, eine Idee zu bekommen, wie sie sich verwirklichen lassen und an dieser Verwirklichung zu arbeiten, dabei werden wir im Rahmen des Fußballs die Jungs noch ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten. Ein Weg der nicht immer geradlinig verlaufen wird, umso wichtiger wird es sein, Vertrauen und Geduld aufzubringen und nicht bei der ersten Schwierigkeit und den ersten Steinen, die im Weg liegen, den vermeintlich einfacheren Weg zu suchen. Zu lernen immer wieder mit schwierigen Situationen umzugehen, trotz (mitunter auch großen) Widerständen und Rückschlägen ein Ziel zu verfolgen, ist eine Fähigkeit, die die Jungs auch außerhalb des Sports brauchen werden. Immer wieder. Daneben werden die Jungs lernen müssen, allmählich etwas reifer in ihrem Verhalten zu werden, deutlich mehr Verantwortung übernehmen lernen müssen und einen noch enorm viel reiferen Umgang im Miteinander entwickeln müssen. 

 

 

Ein paar Worte zu den Trainingsspielen

 

Wir haben uns bewusst für Trainingsspiele gegen gleichaltrige Leistungszentren entschieden. Eine optimale Vorbereitung auf die Saison war das nicht, denn dort treten die Jungs überwiegend gegen ein Jahr ältere Gegner an. Für ihre sportliche Entwicklung sind diese Spiele aber sehr wichtig. Auch in der Winterpause hatten wir diesen Ansatz gewählt, gegen in der Regel bessere Gegner anzutreten - und haben jedes dieser Spiele verloren, zwei davon sehr deutlich. Aber das war damals zum einen wenig überraschend und zum anderen einfach noch nicht von übergeordneter Bedeutung. Wir dürfen und werden die in den Sommertrainingsspielen erzielten Ergebnisse auch nicht überbewerten, dennoch werden wir uns nicht kleiner machen als wir sind. 

 

Auch mit allen aktuellen Unzulänglichkeiten haben sich die Jungs letztlich in ihren ersten 13 gemeinsamen Spielen als U16 insgesamt 11 mal gegen ihre Gegner durchsetzen können, erfreulicherweise haben Sie dabei auch schwierige Situationen überwunden und sich ihre Erfolgserlebnisse verdient. Gegen Haching haben die Jungs sich auch nach einem Drei-Tore Rückstand nicht entmutigen lassen und anschließend fünf eigene Treffer erzielt, gegen Landshut lagen sie vier mal in Rückstand und haben hier sogar sieben eigene Treffer erzielt. Insgesamt, und das ist erfreulich, haben sie in den ersten 13 gemeinsamen Spielen 55 Treffer erzielen können, nicht weniger als 32 Tore mehr, als in den 13 Spielen der U15-Rückrunde.

Die Aufgaben im Spiel - und ein kurzer Rückblick in die U15

 

Sehr vereinfacht gesagt, gibt es zwei vorherrschende Fußball-Stile. Mannschaften, die den Ball haben wollen, die aus (mitunter langen) Ballbesitzphasen Torchancen erspielen wollen. Das ist die schwierigste Art Fußball zu spielen. Und Mannschaften, die sich eher zurückziehen, eher den Gegner spielen lassen und dann, sobald sie den Ball erobern, versuchen diesen Gegner "auszukontern". Zwischen beiden Ansätzen gibt es einige Teams, die beides beherrschen. Und dann gibt es die richtigen guten Teams, die können beides im geeigneten Moment einsetzen. Das bedingt aber, dass die Spieler in der Lage sind, beides umzusetzen. Es ist ganz sicher nicht damit getan, vor dem Spiel dem Team zu sagen "...und heute kontern wir die aus". 

 

Wir haben in der Rückrunde vorwiegend versucht, unser Ballbesitzspiel zu verbessern, also Gegner fußballerisch zu dominieren, in dem wir sie möglichst nicht an den Ball kommen lassen und uns eigene Torchancen erspielen. Die Schwierigkeit dabei liegt einfach darin, dass Gegner dann streckenweise mit bis zu elf Spielern verteidigen und wir somit sehr wenig Platz haben. Unsere Jungs müssen dann einerseits technisch herausragend gute individuelle Lösungen finden, sie brauchen gute aufeinander abgestimmte gruppentaktische Lösungen, sie brauchen ein überragendes Freilaufverhalten, sie brauchen eine weit überdurchschnittliche Vororientierung (die viele von uns überhaupt nicht hatten) und sie müssen unter Gegnerdruck extrem ruhig und sicher bleiben. Alles Fähigkeiten, die man über Jahre antrainieren müsste, und ganz sicher nicht im Laufe einer Rückrunde. Wir haben es trotzdem gemacht, mit sicher kleinen Verbesserungen bei vielem, aber ebenso sicher nicht mit der guten Umsetzung, die in diesem Alter möglich wäre. 

 

In den ersten Spielen der U16 haben wir dann einen kompletten Stilbruch begangen, haben die Jungs fast ausschließlich den zweiten fußballerischen Ansatz spielen lassen, den Schwerpunkt also auf das Umschaltspiel gelegt. Ballbesitz war uns vorübergehend egal, hohes Tempo nach Balleroberungen war wichtiger. Wir haben diesen Ansatz zwar noch nicht gerade perfektioniert, aber die Grundidee haben die Jungs verinnerlicht. 

 

Jetzt geht es darum, beides miteinander zu verbinden. Dazu müssen die Jungs vor allem ihr taktisches Gespür weiterentwickeln, um besser einschätzen zu lernen, wann das eine und was das andere sinnvoll für die jeweilige Situation, den jeweiligen Gegner, den jeweiligen Spielstand und die jeweilige Spielzeit ist. Sie müssen also lernen, ihre Fähigkeiten flexibel einzusetzen - und ganz entscheidend - weiter auszubauen. Denn beide Spielstile beherrschen wir derzeit nur auf einem sehr einfachen rudimentären Niveau. Viele wichtige Dinge beherrschen wir noch nicht gut, zahlreiche Details noch gar nicht, und leider scheitern wir an manchen Stellen auch noch immer an technischen und indiviualtaktischen Unzulänglichkeiten.

Was jetzt kommt

 

Was heißt das nun für die laufende Saison? Wir werden gegen ein Jahr ältere Teams antreten, Altersunterschiede oder körperliche Nachteile nicht als Ausrede gelten lassen, sondern unsere Lernziele umzusetzen zu versuchen. Wir wollen, auch wenn die Gegner von mir aus eben älter sind, diese Gegner über das Spiel mit dem Ball kontrollieren. Weil wir wollen, dass unsere Jungs deutlich mehr Ballkontakte haben und ihnen somit die Möglichkeit eröffnen, sich spielnah technisch weiterzuentwickeln und sie zudem öfter Entscheidungen treffen zu lassen (wer den Ball öfter am Fuß hat, muss notgedrungen auch öfter Entscheidungen treffen). Letztlich muss das Ziel sein, in den meisten Fällen besser zu sein als der Gegner. Dass das nicht einfach wird, ist klar, dass es für jeden Spieler unterschiedlich schwer wird, ebenso, aber erfahrungsgemäß werden jene Jungs, die bereit sind, ihre schon vorhandenen Fertigkeiten mit (sehr viel) Fleiß und Beharrlichkeit zu kombinieren, eine gute Chance haben, diese Aufgabe zu lösen. Und dann hätte sich die Saison gelohnt. Aber nur dann.

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